Chirurg entfernt unnötig Lungenflügel und Brüste / Gericht schickt Chefarzt der Horror-Klinik 15 Jahre in den Knast
Mailand - Sie erfanden Tumore, schnippelten sinnlos an Organen rum oder amputierten unnötig Brüste – nur, um Millionen Euro zu kassieren. Für ihre überflüssigen und teils tödlichen Operationen müssen der Chefchirurg einer Mailänder Privatklinik und zwei Assistenzärzte in den Knast.
Die drei Angeklagten mussten sich für 86 Fälle von schwerer Körperverletzung verantworten. Abhörmaßnahmen brachten Ermittler 2008 auf die Spur der Betrüger in der 276-Betten-Klinik. Sie hatten mit überflüssigen Eingriffen an ahnungslosen Patienten ihr Grundgehalt im Monat auf bis zu 27 000 Euro aufgestockt. Insgesamt bereicherten sie sich von 2005 bis 2007 um 2,5 Millionen Euro. So wurde mehreren Frauen die Brust entfernt, während eine Gewebeuntersuchung ausgereicht hätte. Anderen Patienten wurden unnötig Lungenflügel entfernt – nur um höhere Versicherungsrückzahlungen zu kassieren. „Die Patienten wurden als Einkommensquelle benützt“, so die Ermittler. Oftmals seien Eingriffe ohne Einverständnis des Patienten oder betreuenden Arztes vorgenommen worden. „Ich wurde an der Lunge statt an der Schilddrüse operiert“, schilderte ein Patient dem TV-Sender RAI.
Urteil: 15 Jahre Haft für den Chefchirurgen, sechs und zehn für seine Assistenten.
Berliner Kurier, 30.10.2010