Häme und Spott für Berlusconi
Nach dem Senat will heute das italienische Parlament über die dringend notwendigen Sparbeschlüsse abstimmen. Damit sind die Stunden von Silvio Berlusconi im Amt des italienischen Ministerpräsidenten gezählt. Und anders, als er sich das vermutlich vorgestellt hat, ist es ein Abschied zweiter Klasse.
Als Silvio Berlusconi am Donnerstag Nacht den Senat verließ, warteten ein paar Demonstranten auf ihn und schrien: "Geh doch endlich heim!"
Berlusconi wird förmlich davon gejagt, sogar seine Parteifreunde haben am Ende gesagt: Jetzt ist Schluss. Mit jeder Stunde wird es schlimmer. Am Montag machte die unmissverständliche Rücktrittsforderung eines Staatssekretärs die Runde, der so unvorsichtig war, dies am Telefon einem Journalisten anzuvertrauen.
Selten wurde ein aus dem Amt scheidender Politiker mit so viel Häme verabschiedet. Das "Time Magazin" widmet seinen nächsten Titel Berlusconi, dem "Mann, der die Europäische Union gefährdete".
Und Oscar-Preisträger Roberto Benigni nutzte einen Auftritt vor dem Europaparlament dazu, einen ganzen Kübel Spott über Berlusconi auszuschütten. Als er auf Krücken den Saal betrat, scherzte der Schauspieler: "Ich bin einem Rück-Tritt in den Weg gekommen. Man hat mir gesagt: 'Bleib unbesorgt, der bewegt sich nicht.' Und jetzt schaut, was passiert ist."
Abstimmung im Abgeordnetenhaus
Wenn das Abgeordnetenhaus heute das Reformpaket verabschiedet hat, dann wird Berlusconi den Staatspräsidenten aufsuchen und förmlich sein Rücktrittsgesuch einreichen - so die Planung, so sein Versprechen.
Das wäre das Ende der vierten Regierung Berlusconi und möglicherweise auch das Ende der politischen Karriere eines Mannes, der sich immer für unschlagbar hielt: "Ich und krank? Man muss nur die Dinge betrachten, die ich in diesen 15 Monaten Regierungszeit gemacht habe, um zu sehen, dass ich nicht krank bin. Ich bin Superman. Oder besser: Gegen mich sieht Superman alt aus."
Die Selbstüberschätzung des Silvio Berlusconi endet in der schweren Krise Italiens. Nun muss eine Übergangsregierung den Haushalt sanieren und die notwendigen Reformen anpacken.
Der 68-jährige Wirtschaftsprofessor und ehemalige EU-Kommissar Mario Monti scheint der einzig denkbare Kandidat für diese Aufgabe. Bereits im August sagte er: "Politik bedeutet Entscheidung. Mit den Auflagen Europas müssen die politischen Kräfte sich untereinander auseinandersetzen, weil es einfach nicht mehr möglich ist, die Lasten auf die zukünftigen Generationen abzuschieben."
Opposition fordert Verantwortungsbewusstsein
Die großen Oppositionsparteien unterstützen Monti. Berlusconis Partei Volk der Freiheit ist tief gespalten, ob man eine Interimsregierung mittragen soll. Oppositionspolitiker Walter Veltroni appelliert an die Politiker der Ex-Regierungspartei: "Das Volk der Freiheit muss Verantwortung übernehmen, so wie alle politischen Kräfte, sonst riskieren wir den Zusammenbruch."
Auch von außen bleibt der Druck auf Italien konstant. EU Präsident Herman van Rompuy ist wohl kaum zufällig gerade in diesen Tagen nach Rom gereist. Und nahezu täglich telefonieren die Großen der Welt mit Staatspräsident Giorgio Napolitano und lassen sich über den Stand der Dinge informieren - so als hätten Kanzlerin Angela Merkel, US-Präsident Barack Obama und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy Angst, dass es sich Berlusconi im letzten Moment doch noch einmal anders überlegt.
Ein Abschied zweiter Klasse