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Keine Kreditklemme in Sicht
Vielen mittelständischen Unternehmen ist noch lebhaft in schlechter Erinnerung, wie sie nach dem Platzen der New-Economy-Blase Anfang des Jahrtausends plötzlich keinen Kredit mehr bekommen haben. Allen voran die privaten Großbanken waren damals in ernste Schwierigkeiten geraten und sie führten ihr Kreditobligo drastisch zurück. Gingen die Abgewiesenen zu Sparkassen und Genossenschaftsbanken, bekamen sie zu hören, dass sie nicht die ersten seien und man bei allem guten Willen leider nicht in der Lage wäre, alle diejenigen zu bedienen, die woanders als Kunden nicht mehr gewollt würden.
Jetzt, wo viele Banken wegen der Subprime-Krise in Schwierigkeiten geraten sind, geht bei den Unternehmen die Angst um, dass erneut eine ähnliche Kreditklemme droht. Wer kann, sorgt dafür, dass er entweder keinen Kredit braucht, oder aber er sichert sich rechtzeitig Fremdmittel, bevor es Schwierigkeiten gibt. Das ist nach Ansicht der Experten der KfW-Bankengruppe ein wichtiger Grund dafür, dass sich in den letzten Monaten die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen entgegen Befürchtungen von Experten deutlich stärker ausgeweitet hat als zuvor.
Immerhin um 18 Prozent ist nach Berechnungen der KfW im zweiten Halbjahr 2007 das Neugeschäft in diesem Segment gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Der Kreditbestand, für den schon Zahlen bis Januar vorliegen, hat sich gegenüber dem Vorjahr um acht Prozent ausgeweitet. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal 2007, also direkt vor Ausbruch der Kreditkrise, betrug die Zuwachsrate weniger als drei Prozent. Seither hat sie stetig zugenommen.
Eine Kreditklemme sieht anders aus. "Eine Kreditzurückhaltung der Banken als Folge der Subprime-Krise stellen wir nicht fest", meint denn auch Helmut Rödl, Vorstandsmitglied der Wirtschaftsauskunftei Creditreform.
Selbst bei den Zinsen, die die Banken von den Unternehmen verlangen, hat sich seit Ausbruch der Finanzmarktkrise nur wenig getan. Sie sind tendenziell etwas gestiegen, aber dramatisch lässt sich das nicht nennen.
Sind die Sorgen also völlig unbegründet? Nicht ganz - für Unternehmen mit schlechter Kapitalausstattung, die als Kreditnehmer mit geringer Bonität gelten, werden die Zeiten tatsächlich immer härter. Das zeigt die regelmäßige Befragung von Kreditverantwortlichen durch die Bundesbank. Für "normal riskante" Kredite hat danach bisher nur eine kleine Minderheit der Banken die Vergaberichtlinien verschärft, seit die Finanzkrise ausgebrochen ist.
Für risikoreichere Kredite dagegen werden die Bedingungen seit Jahren laufend verschärft. Dieser Trend hat sich jüngst noch verstärkt. Im Zuge der Anpassung an die neuen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel II) haben die meisten Banken die Kreditvergabe an Unternehmenskunden niedrigerer Bonität verteuert und erschwert. Hinzu kommt, dass nach Ausbruch der Subprime-Krise eine allgemeine Abneigung gegen jegliches Risiko bei den Geldhäusern besteht.
Allerdings sind mittelständische Unternehmen davon eher weniger stark betroffen als die vorher so hofierten Großunternehmen. Eine Umfrage des Handelsblatts im Februar ergab, dass nur ein Fünftel der Unternehmen insgesamt über erschwerten Kreditzugang klagte, aber zwei Fünftel der Großunternehmen.
Die gute Gewinnentwicklung der letzten Jahre hat es kleineren Unternehmen, die häufiger in Sachen Eigenkapitalausstattung zu den besonderen Problemfällen gehörten, beträchtlich erleichtert, ihr Kapitalpolster und damit ihre Bonität als Kreditnehmer zu erhöhen. Das wiegt letztlich schwerer als die etwas erhöhte Risikoaversion der Banken.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/…ml?p2941478=all